Die Ethik der Public Relations
Veröffentlicht am 22. März 2009 von Eloy Barrantes
„Mit meiner Arbeit diene ich der Öffentlichkeit”, heißt es in der ersten von sieben Selbstverpflichtungen der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG). „Wenn Sie sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen“, sagt Klaus Merten, „dann klingt das so, als ob da gerade Mönchsweihe ist“. Merten kritisiert die schwammigen Formulierungen der PR-Kodizes und fordert klare Richtlinien.
Das betrifft auch den Umgang mit Unwahrheiten: „Die Lüge hat eine große soziale Funktion“, behauptet Merten absichtlich provokant. Ein Kodex für PR-Leute, erklärt der Kommunikationswissenschaftler weiter, müsse diese Funktion explizit beinhalten und eingrenzen. Gerade mit dieser Forderung stößt Merten in der Branche auf Widerspruch. Nicht nur der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) sondern auch Praktiker wie Petra Sammer von der Agentur Ketchum üben Kritik.
Für pr on air sprechen Klaus Merten und Petra Sammer über ihr unterschiedliches Verständnis einer PR-Ethik und die Rolle von Täuschung.
Dauer: 12:19 Min (Überlänge)
Gesprächspartner: Prof. Dr. Klaus Merten (Geschäftsführer der com+plus GmbH) und Petra Sammer (Managing & Creative Director bei Ketchum)
Redaktion: Eloy A. Barrantes León, Julia Nussbaum und Rebekka Gaebel
Anmoderation: /
Download: 041_Ethik-der-PR.mp3
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Weiterführende Links und Quellen:
Public Relations – Die Lizenz zu Täuschen? – Vortrag Merten (PR-Journal / PDF)
Ethik der PR: Ethik oder PR für PR? – Aufsatz Merten/Risse (PR-Journal / PDF)
Stellungnahme – Deutscher Rat für Public Relations (PDF)
PR-Kodizes – DRPR: nationale und internationale PR-Kodizes
Zoff bei Tanja-Anjas – Ein Beitrag von Klaus Jarchow bei medienlese.com
Lizenz zum Täuschen – Ein Artikel von Nils Klawitter bei Spiegel Online
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Für mich gibt es hier keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Wissenschaft sagt, dass die PR ohne Täuschung nicht funktioniert und die Praxis bestätigt dieses Bild? Ich glaube, die Scheinheiligkeit der ethischen Kodizes tut weder den PR-Leuten noch dem Berufsfeld gut! Eine Überarbeitung ist also dringend notwendig!
Überarbeitung=Löschung?
Ich glaube nicht an ein Ende der PR-Ethik. Die einzelnen Richtlinien müssen nur so formuliert werden, dass es PR-Leuten wenigstens möglich ist, nach diesen zu handeln. Sowas wie „Mit meiner Arbeit diene ich der Öffentlichkeit. Ich bin mir bewusst, dass ich nichts unternehmen darf, was die Öffentlichkeit zu irrigen Schlüssen und falschem Verhalten veranlasst. Ich habe wahrhaftig zu sein.“ muss also raus!
Die Formulierung der Codizes ist das eine. Sie mögen nicht sonderlich gelungen sein. Aber ein Satz wie “PR ist Täuschung” bewirkt in der Praxis doch etwas ganz anderes, das wegführt von dem, was wir bislang als Praktiker unter verantworteter geplanter Kommunikation verstehen. Es geht nicht darum, dass man Höflichkeitsformen wissenschaftlich bereits als Täuschung bezeichnen kann und wir in der PR höflich sind (immer?), sondern darum, was aus einer geplanten Kommunikation wird, wenn sie grenzenlos fiktiv wird. Und das ist sicherlich nicht das, was dem Kunden hilft. Dem muss mitunter auch gesagt werden, dass er in einer Krisenkommunikation mehr von sich sagt, als er zunächst wollte, wenn nur so noch größeres Übel abgewendet werden kann. Aber wenn PR zum großen beliebigen Täuschungsmanöver werden soll, dann sind noch größere Krisen vorprogrammiert in nächster Zeit.